Quarantäne Tag 9

Stille. Ich hielt meine Arme und Beine weit von mir gestreckt und hielt die Luft an. Ein tiefes dunkelblau unter mir. Beruhigende Stille flüsterte. Langsam ließ ich die Luft aus meinen Lungen gleiten. Mit den Armen versuchte ich mich nach oben zu drücken. Mit dem Öffnen der Augen sah ich anfangs nur Dunkelheit, langsam wurde es um mich herum heller. Tiefes blau wechselte zu schimmernden blass-blauen fast grünen Tönen.

Ich stellte mir vor, wie mein Körper gen Oberfläche kommend den sich aufdrängenden Bewegungen der Wellen folgen würde und sich den schwankenden Wassermassen hingibt. Ich sträubte mich nicht gegen die Wellenbewegungen, kämpfte mich nicht an die Oberfläche, sondern gab mich dem Rhythmus des Ozeans hin. Bis ich schließlich die Wassergrenze durchbrach und erneut nach Luft schnappen konnte, um wiederum mit genügend Luftvorrat abzutauchen.

Unter Wasser fühlt sich die Welt der Oberfläche so weit weg an, fast unbedeutend unwirklich. Nicht Flügel, sondern Kiemen hätte ich gerne. Was könnte ich für eine neue Welt entdecken. Unsere Ozeane sind nicht unbeeinflusst vom Menschen geblieben. Auch ist die Tierwelt unter Wasser rau, es gäbe Schönes und Hässliches. Aber es wäre eine andere Welt. Eine Welt neben der unseren.

Schließlich nahm ich noch einen Schluck Botanist. Er kühlte meine Zunge und wog mich mit den Wellen zurück in die tiefe Dunkelheit, in die unbekannte Welt.

Gin sei dank!

Eure Cosy Cat

Zwei Welten, ein Werk

Und Marx stand still in Darwins Garten, Ilona Jerger

Wie wird ein Buch zu einem Lieblingsbuch? Genau, es bleibt einem in Erinnerung: eine besondere Stelle im Buch, eine außergewöhnliche Situationsbeschreibung, ein nachhallendes Gefühl. Diese Art von Bücher begleiten einen über einen längeren Lebensabschnitt oder manche sogar dauerhaft. Der Debütroman von Ilona Jerger gehört für mich in die Kategorie „Lieblingsbücher“ und begleitet mich seit jeher. Dieser außergewöhnliche Roman von 284 Seiten besticht durch eine kluge Zusammensetzung zweier verschiedener Welten zu einem Werk und zwar in einfacher Sprache. Die Autorin führt einen zurück zu Marx und Darwins Lebenszeiten. Dabei verknüpft sie die unterschiedlich verlaufenden Lebensfäden beider geschickt zueinander.

Wer hat schon Lust das Hauptwerk von Karl Marx „Das Kapital“ oder Darwins berühmtes Werk „Über die Entstehung der Arten“ zu lesen? Wie viele Sachbücher müsste man lesen, um die Kernthesen des Philosophen und Naturforschers nachhaltig kennenzulernen? Welche umfangreiche Bibliotheksrecherche wäre erforderlich, dessen dahinter stehende Lebensweisen und Persönlichkeiten herauszufiltern? Es bedarf dafür genau eines Buches, nämlich der Lektüre von Ilona Jerger.

Zu Beginn wird die Spannung dadurch aufgebaut, dass sich der Leser fragt, wie sollen diese beiden Gestalten, die unterschiedlicher nicht sein können, aufeinander treffen. Der Leser wird von Beginn an in den Bann genommen und entlassen wird er erst mit dem letzten Satz. Überraschend ist, ohne zu viel zu verraten, dass es mir gar nicht mehr wichtig war, ob oder wann bzw. wie sich die beiden Denker begegnen. Ich wurde in beide Welten mitgenommen und tauchte ab in die Zeit des 19. Jahrhunderts. Viel interessanter waren die Geschichten hinter den berühmten Hauptwerken und das Herausstellen der Persönlichkeiten. Durch bestechende Details -egal, ob fiktiv oder nicht- wurden Marx und Darwin wiederbelebt. Detailliertheit in der Sprache, in der Gangart oder im Umgang der Denker mit anderen belebten die Schilderungen. Ich lernte ganz nebenbei nicht nur beide Denk- und Gefühlswelten kennen, sondern auch von einander abzugrenzen.

Die Autorin glänzt durch ihre stichhaltigen Recherchen. Was Fakten und Fikitionen sind gibt sie im Anhang auf nur wenigen Seiten wieder, was für ihre Genauigkeit spricht.

Lasst die Sachbücher beiseite, lest zumindest zur Einführung „Und Marx stand still in Darwins Garten“. Bei meiner nächsten Gartenarbeit werde ich mich mehr mit der Kultivierung der Pflanze auseinandersetzen, mehr auf Details schauen so wie es vielleicht Darwin hingebungsvoll getan hätte. Beim Ziehen von Setzlingen werde ich dann versuchen den Bogen zu möglichen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu schlagen.

Unbedingt lesen, eure Cosy Cat!

Quarantäne Tag 8

Ostern zu zweit, im Herzen mit der Familie
Eure Cosy Cat

Ostern bedeutet für mich, dass die Familie zusammen findet, um gemeinsam Ostereier zu suchen. Dabei lachen alle bis sich der Magen verkrampft. Dieses Jahr jedoch leider lediglich zu zweit – aber immerhin.

All diejenigen, die Single sind und nicht bei der Familie sein können und all diejenigen, die ohne Partner ausharren müssen, da sie über Ländergrenzen hinweg ihr Herz verschenkten, wünsche ich trotz allem eine reiche und herzenswarme Osterzeit!


Quarantäne Tag 7

In Zeiten des Kontaktverbotes werden soziale Vernetzungen besonders wichtig. Nicht nur, um notfalls jemanden einkaufen schicken zu können, sondern vor allem um zu spüren, dass man nicht alleine ist.

Das gute alte Telefon zur Hand nehmen, obwohl man sonst eine kurze Nachricht per WhatsApp versendet hätte und durchklingeln. Wie schön, mal wieder mit einem guten Freund zu quasseln. Dabei ist die Bildtelefonie nicht mein präferiertes Mittel, um mit Freunden Kontakt aufzunehmen, auch jetzt nicht. Viel wichtiger als sich zu sehen, sind vor allem die Erlebnisse und Geschichten, die man miteinander teilen kann. Gerne auch nur zuhören.

Überrascht wurde ich dieses Wochenende auf ganz besondere Weise. Mein Verlobter brachte mir ein braunes quadratisches Päckchen vom Briefkasten mit. Ich vernahm etwas in seiner Stimme, irgendwie hörte er sich etwas gereizt an als er es mir mit den Worten übergab: „Hast Du etwa einen Verehrer, von dem ich nichts weiß?“. Ich blickte Ihn verdutzt und mit großen Augen an: „Was, wieso denn?“ Er: „Na, das Päckchen.“ Bevor ich überhaupt etwas entgegnen konnte, hatte er schon das Zimmer verlassen. Ich blickte auf den Absender und konnte mir keinen Reim daraus machen und gleichzeitig freute ich mich, als ich sah, dass es tatsächlich an mich adressiert war: so aufregend!

Ich schnappte mir eine Schere und öffnete das geheimnisvolle Päckchen und dann wurde mir alles klar.


Chocolats-de-Luxe, die beste Schokolade der Welt, per Post von meiner langjährigen und süßesten Freundin meiner kleinen Welt.


Im Anschreiben dazu stand mit den besten Empfehlungen und einem Höchstmaß an Genuss; oh ja, das war es später auch! Ein wohlig warmes und glückliches Gefühl ging durch meine linke Brust und ich schlenderte stolz zu meinem Verlobten. Mit den Pralinen in der einen und in der anderen Hand das liebevolle Schreiben prahlte ich, welche schöne Überraschung mir meine Freundin bereitete. Dabei wedelte ich noch mit dem Anschreiben vor seinem Gesicht herum, um ihn zu ärgern, was mir jedoch nicht gelang. Er blieb stoisch.

Ein paar Minuten nachdem sich der Verdacht, ich hätte einen Verehrer, klärte, sammelte ich wieder verliebte Blicke von ihm. Wir freuten uns beide. Mein Verlobter freute sich mit mir. Er war schon wie ich gespannt auf die kleinen Schokowunder.

Als erstes bedankte ich mich zunächst per WhatsApp und einem Bild, indem ich die Schokoschachtel vor gelben Narzissen präsentierte. Schließlich waren es preisgekrönte Pralinen aus Meisterhand, die ich entsprechend ihrer Qualität, vor einer Mini-Frühlingsrequisite ablichten wollte. Gelbe Narzissen in blauen Töpfchen schienen mir dabei eine erstklassige Wahl zu sein.

Jedes pièce en chocolat ist ein Gedicht. Einfach köstlich. Genau das richtige für eine Naschkatze wie mich. Noch habe ich welche, mit denen ich mich flugs noch einmal kurz in den Schokoladenhimmel de Lux katapultieren kann.

Für alle anderen Naschkatzen, hier der Link zur Chocolats-de-Luxe.

Herzlichen Dank für deine Schokoladengrüße, ich bin noch ganz verzaubert … und deshalb ausnahmsweise diesmal:

Salutations de votre Cosy Cat.

Quarantäne Tag 6

Nichts kostet weniger Zeit als die Zeit umzustellen. Gefühlt verliere ich allerdings jedes Mal Ende März eine Stunde meiner Zeit. Bringt die Umstellung der Zeit überhaupt noch den gewünschten Effekt?

„Zwar wird durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht angeknipst – im Frühjahr und Herbst jedoch wird in den Morgenstunden auch mehr geheizt. Das hebt sich gegenseitig auf. Die Zeitumstellung spart im Saldo daher keine Energie.“ (schreibt das Umweltbundesamt am 24.03.2020)

Es gibt seit einiger Zeit effektivere Methoden, um Energie im Haushalt zu sparen, so das Umweltbundesamt. Laut einer Konsultation der EU-Kommission wird die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit auch nicht mehr befürwortet. 84 % der Teilnehmer an der Konsultation sind für die Abschaffung der Zeitumstellung in der Europäischen Union. Neben der geringen Energieeinsparung wurde die Ablehnung mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und einer Zunahme an Unfällen im Straßenverkehr begründet. Wurden die mit der Zeitumstellung negativen Effekte eigentlich wissenschaftlich untersucht? Noch im Jahr 2018 plante die EU-Kommission die Entscheidung der Zeitumstellung in die Hände der Mitgliedstaaten zu legen und legte einen Vorschlag dazu vor. Bisher drängten jedoch andere Themen, die die Gesundheit der Bevölkerung noch viel massiver beeinträchtigen. Die Umsetzung steht also noch aus.

Im Rahmen der Konsultation liegt die Beteiligungsquote Deutschlands nur bei 3, 79 %. Bei einer Bevölkerungsanzahl in Deutschland von 80 Millionen, haben lediglich 3 Millionen und 32 000 Deutsche Bürger an der EU-Umfrage teilgenommen. Aus meiner Sicht lässt sich an Hand dieser Anzahl zumindest für Deutschland ein Trend ablesen: Die Zeit für die automatische Umstellung von Sommer- auf Winterzeit ist abgelaufen.

Ich persönlich hätte nichts gegen die Abschaffung, zumal der Nutzen widerlegt und die Gefährdungen durch die Umstellung dafür sprechen. Ich hätte aber auch nichts gegen die Abschaffung von Zeitverschwendung. Warum soviel Zeit mit dienstlichen Treffen vor Ort verschwenden, wenn sich vieles auch über Tele- und Videokonferenzen diskutieren und lösen lässt. Covid-19 zeigt uns gerade, dass man Zeit neu definieren und ausfüllen kann. Web- und Videokonferenzen wie auch das Arbeiten von zu Hause wird derzeit optimiert, intensiviert, teilweise reproduziert und gefördert.


Quarantänezeit fördert die Digitalisierung, Zeitnischen entstehen.


Ich hoffe sehr, es handelt sich um einen Effekt, der sich auch noch nach der Pandemiezeit fortsetzt. Unsere Welt rückt digital zusammen: Das ist gut. In einer immer schneller werdenden Welt, ist der Gewinn von Zeit kostbar. Deshalb: Ein Hoch auf Homeoffice & Co.!

Nehmt euch Zeit. Eure Cosy Cat.

Quarantäne Tag 5

Thunfischsalat. Fast jeden Mittag stürze ich mich auf Thunfisch mit Ei und Senfdressing, eingebettet von Gurke, Bohnen und Eissalat. Allerdings legt Homeoffice zwischen mir und meinem Lieblingssalat zur Mittagszeit eine zu große Entfernung.


Quarantänezeit heißt eben auch Selbstverpflegungszeit.


Für frische Brötchen z. B. brauche ich Hefe. Doch Hefe ist derzeit ein seltenes Gut so wie Toilettenpapier, Mehl und sogar Salz.

Salz. Es gibt ein Kindermärchen zum Gourmetprodukt „Salz“, das mir tatsächlich nachhaltig in Erinnerung blieb. Ein Burgherr tauschte seinen gesamten Vorrat an Salz gegen Gold und dachte er hätte den größten Deal als Burgherr getätigt. Doch schnell stellte er fest, dass er etwas ganz besonderes aufgab und zwar den feinen Geschmack in Suppen, Fleisch oder auch Kuchen, den Geschmack von Salz. Das trübte die gesamte Burgsippschaft und ihre Untertanen so sehr, dass der Burgherr alles daran setzte wieder in den Besitz von Salz zu gelangen.

Nicht umsonst heißt es wohl auch, wenn etwas nicht optimal klappt: Da fehlt das Salz in der Suppe. Auch der Quarantänezeit versuche ich eine gewisse Besonderheit abzutrotzen. Für den ausgewogenen Genuss wird Salz zwar in sehr kleiner Menge zugefügt aber dafür ist die Wirkung umso größer. Den Besonderheiten in der jetzigen Zeit entsprechen daher eher Kleinigkeiten. Genau diese sind es jedoch, die auch die Isoliertheit besonders machen können.

Hauskatze. Ich stelle fest, die Hauskatze in mir kommt immer mehr zum Vorschein und das tut mir nicht schlecht. Ohne schlechtes Gewissen kann ich nun einfach vor dem Kamin schlummern – Fitnessstudios, Kletterhallen und sonstige mögliche katzenkonforme Freizeiteinrichtungen sind zur Zeit geschlossen -. Außerdem kann ich dem Nichtstun frönen, ohne Druck von außen, denn keiner erwartet etwas. Noch genieße ich die Zeit – allerdings zu zweit- zu Hause.

Ich bin mir aber bewusst, dass Viele auch allein ausharren müssen.

Haltet durch da draußen!

Eure Cosy Cat

PS.: Hefe brauche ich üblicherweise für selbstgemachte Brötchen. Alternativ backe ich nun fast jeden Morgen Scones, die benötigen keine Hefe und nur ca. 15 Minuten im Ofen. Meine Rezeptempfehlung (Ich mache sie lieber frisch und nehme von allen Zutaten nur die Hälfte!).

Quarantäne Tag 4

Homeoffice genießen. Zu hause niesen.

Immer wenn ich abends die Tagesschau verfolge, wird mein Hals trockener und mich erschleicht ein gewisses Krankheitsgefühl. Keine Tagesschau ohne Neuigkeiten zur Corona-Pandemie – es ist belastend. Noch bin ich gesund, wie man gesund sein kann. Man weiß nicht, wann es soweit ist und ob einem lediglich Erkältungssymptome ereilen.

Mein Krankheitsgefühl stellt sich ein, sofern ich mich wieder beruhigt habe, was nur funktioniert, wenn ich für längere Zeit von Nachrichten rund um das Virus gebührlich Abstand halte.

Manchmal denke ich: lieber gleich sofort durch die Krankheit durch, zu Hause kränkeln und wieder gesunden. Fertig. So einfach wird es mir aber wahrscheinlich nicht gemacht. Es ist eben entscheidend jetzt erst einmal nicht zu erkranken. Denn keiner weiß, ob er nicht einen schweren Verlauf erleidet mit der Inanspruchnahme von Beatmungsgeräten etc.

Also doch lieber gesund bleiben. Zu Hause ausharren. Homeoffice genießen. Sanfte Blicke meines Verlobten einsammeln und einfach weiter im Text.

Meine Familie habe ich dennoch kurz mit dem Fahrrad besucht und den gebotenen Sicherheitsabstand eingehalten. Auch war ich für sie noch einmal kurz im Drogeriemarkt.

Schon komisch, dass sich Deutsche mit Nudeln und Toilettenpapier für die Quarantäne ausstatten. Die Franzosen –so vernommen– halten es da deutlich mit mehr Stil: sie bunkern Präservative und Rotwein. Das haben wir gleich mit einer Sache nachgeahmt, wir bestellten online gleich noch mal unseren Lieblingswein.

Auch haben wir den heutigen Arbeitstag mit einer Flasche italienischen Rotwein und bestellter Pizza beendet:

Die bestellte Pizza haben wir nicht schneiden lassen. Auch hoffen wir, dass durch ca. 300 Grad Celsius im Ofen alle Viren eliminiert wurden – sozusagen für den Hochgenuss. Zur Sicherheit dachten wir, müssten wir mit was Alkoholischem nachspülen. Das taten wir sodann mit apulischen Rotwein. Desinfizieren mit Stil. Wir dachten dabei also wieder an die Franzosen.

Macht es euch gemütlich zu Hause.

Eure Cosy Cat

Quarantäne Tag 3

Ganz allmählich wird deutlich, dass neben dem Frühlingsanfang auch der Beginn der Isolation Vieler beginnt. Nur noch Wenige sind auf den Straßen. Viele, die sich im öffentlichen Raum bewegen, versuchen den gebotenen Abstand zum anderen einzuhalten. Aber vor allem ist klar, die Situation ist ernster als zuvor: Klopapier darf in meinem Laden um die Ecke nur noch in kontrollierter Stückzahl verkauft werden. Auch werden mit Paketklebeband die Abstände vor der Kasse gekennzeichnet. Alles, was ich in den Nachrichten lese wird rigorose Realität in meiner kleinen Welt.

Meine Welt, die von Haus aus nur von Wenigen, uns wohl gesonnen Menschen, betreten wird, wird nun noch kleiner. Keine Freunde kommen jetzt mehr vorbei, aus gutem Grund. Meine Familie hält Abstand, aus gutem Grund. Meine Welt ist erschüttert. Ich bin nicht panisch, wenn ich vors Haus trete,  aber eben doch vorsichtig. Mich begleitet dabei immer ein gewisses Unbehagen.

Das geschützte Haus verlasse ich nur ganz selten. Mein Verlobter lässt mich nicht einkaufen gehen. Obwohl er einkaufen hasst, lässt er mich nicht ins Lebensmittelgeschäft – natürlich aus Vorsicht. Jagen sei seine Aufgabe, meine die Zubereitung der Nahrung. Übrigens, er kocht uns gerade eine Kleinigkeit.

Ich meide meinen Lieblingsbuchladen, fußläufig ums Eck, ich traue mich nun nicht mehr rein. Der Buchladen ist klein, eng und mit vielen Büchern verschiedener Genre bestückt. Für einen Mindestabstand von 1,5 Metern, dürften sich nur ein Kunde und der Buchverkäufer darin aufhalten. Es ist ein beliebter Buchladen, so dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass durchgängig jedoch mehr als zwei Kunden ein Buch aussuchen. Eventuell mittlerweile nicht mehr. Auch ich gehöre zu denjenigen, die dem Buchladen ausweichen und ziehe so nun seit längerem daran vorbei.

Auch gehe ich nicht mehr zum Bäcker. Ich backe nun meine Brötchen selbst. Die Gefahr ist mir zu hoch, dass ein Kunde oder Angestellter im Verkaufsraum niest oder hustet. Die konzentrischen Kreise um meine Welt werden immer weniger. [Mittlerweile ist der Einzelhandel dicht, nur noch Lebensmittelläden, aber auch u.a. Apotheken dürfen geöffnet sein.]

Es ist nur vorübergehend, denke ich, wenn ich das Unbehagen in mir spüre. So bleibt es nicht.

Für jetzt ist zu Haus bleiben jedoch Pflichtprogramm, dafür brauche ich keine Verordnung der Stadt!

Homeoffice funktioniert immer noch hervorragend. Verliebte Blicke bekomme ich auch noch zwischendurch.

Bleibt gesund.

Eure Cosy Cat

Quarantäne Tag 2

Mal wieder war ich aufgeregt. Für heute war eine Telefonkonferenz angesetzt und zwar mit allen Mitarbeitern, die im Homeoffice sind, einschließlich meines Chefs. Seit längerem lag ich meinem Vorgesetzten im Ohr: ein regelmäßiger Jour Fixe wäre sinnvoll und würde Arbeitsvorgänge erleichtern. Eine morgendliche Telefonkonferenz und zwar jeden Tag, ist mit dem Beginn der Homeoffice Zeit auf einmal unproblematisch möglich. Lange passierte jedoch nichts. Es ist nicht zu fassen, dass für einen erforderlichen regelmäßigen dienstlichen Austausch erst eine Pandemie ausbrechen muss.

Mein Chef ist überhaupt etwas verantwortungsscheu. Er hatte sich z. B. überhaupt nicht darum gekümmert seine Mitarbeiter für Homeoffice auszustatten. Obwohl sich die Epidemie offensichtlich zur Pandemie entwickelte, sich immer mehr infizierten, die Politik sich von Experten beraten ließ, Krankenhäuser ihre Intensivbetten verdoppeln sollten und schließlich das Robert-Koch-Institut empfahl Homeoffice zu fördern und zu ermöglichen, unternahm mein Chef … ja richtig: gar nichts.

Auf Eigeninitiative ordnete ich den Techniker an, mir den technischen Tunnel zu legen, um Zugang zu unserem Computersystem zu erhalten. Die Geschäftsleitung sprach keine Empfehlungen aus, keine interne Linie, keine Entscheidungen wie mit der Situation nun als Angestellter umzugehen sei.

Regelrechte Unsicherheit stand im Raum und ich neben ihr.

Ich entschied selbst ins Homeoffice zu gehen, mein Chef widersprach nicht. Auch eine Variante mit Ausnahmesituationen umzugehen: abwarten und aussitzen. Abwarten und Aussitzen kenne ich nur als sinnvollen Rat aus der Aktienwelt.

Würde man mich fragen, was ich nicht ausstehen kann, dann würde ich antworten: Personen, die eine Position innehaben und diese nicht nutzen, um für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.

Verantwortung übernehmen bedeutet eben auch, Entscheidungen zu treffen. Will niemand mehr entscheiden, da die Angst vor Fehlern besteht, gibt es keinen Entwicklungsprozess und damit keinen Fortschritt. Nur durch Fehler entwickeln wir uns letztlich weiter. Vor jedem Anfang eines Fehlers steht eine Entscheidung.

Liebe Verantwortliche da draußen, Ihr dürft nicht nur, ihr sollt unbedingt Entscheidungen treffen. Nicht optimale Entscheidungen sind weniger dramatisch, also keine zu treffen.

Ich habe mir quasi selbst für ca. zwei Wochen Homeoffice verordnet und es stellt sich mittlerweile heraus: Es war glücklicherweise die richtige Entscheidung.

Eure entschiedene Cosy Cat

Quarantäne Tag 1

Mein erster Homeoffice Tag und ich war morgens und bereits am Abend zuvor unglaublich aufgeregt. Bisher war mir Homeoffice fremd. Ich weiß, was es ist. Ich kann es definieren, beschreiben, erklären, mir sogar vorstellen. Dennoch tatsächlich zu Hause am Schreibtisch mit Laptop und ein paar Unterlagen vom Büro zu sitzen, war ein Novum. Neues ist immer so spannend und so auch mein erster Tag in Quarantäne.

An diesem ersten Tag in selbstgewählter Isolation war ich unglaublich dankbar nicht in die S-Bahn mit vielen anderen einsteigen zu müssen, um fast 45 Minuten zu fahren. Ich war also schon morgens entspannt. Der Stress mit Schaal und Handschuhen wie auch kurzatmig die Bahn zu betreten entfiel. Das ständige hoffen, dass sich niemand neben mich setzt, der evtl. niesen oder husten würde. Niesen und Husten auf hygienische Art und Weise können, entsprechend meiner bisherigen Beobachtungen, nur Wenige. Hier ein Link, wie es richtig geht. Das regelmäßige hin- und her blicken, ob jmd. evtl. nach einer Erkältung aussieht bzw. ich entsprechenden Abstand zum anderen habe, wurde obsolet. All diese Überlegungen bzw. Vorsichtsmaßnahmen für andere wie aber auch für mich konnten an meinem ersten Tag zu Hause entfallen. Das alleine hat mir schon ein Sicherheitsgefühl vermittelt und so auch den Morgen versüßt.

Ich freute mich also auf eine Stunde länger schlafen, ein gewohntes Frühstück mit meinem Verlobten, um pünktlich um neun Uhr an meinem Schreibtisch zu sitzen.

Das Büro selbst, ich gestehe, habe ich an meinem ersten Tag nicht vermisst. Mit meinen Kollegen hatte ich fröhlich und freundlich telefoniert und Unerwartetes digital managen können.

Ich arbeitete wie sonst auch bis mittags, um nach einer Pause bis abends weiterzuarbeiten. Mein Verlobter saß allerdings während des Homeoffices um die Ecke. In den kurzen Momenten, in denen ich mir Kaffee oder Tee holte, konnten wir uns verliebt zulächeln. Sein Lächeln ist unglaublich, so viel Liebe, Wärme, Verständnis und Interesse in seinem Blick. Seine Blicke werde ich irgendwann vermissen, wenn ich nicht mehr jeden Tag im Homeoffice bin. 

Auslauf bekam ich am Abend, als ich zusammen mit meinem Verlobten laufen ging. Es war ein guter erster Homeoffice Start.

Euch wünsche ich ebenso einen guten Start.

Eure Cosy Cat